Schleierlinge

Obwohl die folgende Gliederung von Mooser nicht mehr aktuell ist, wird sie dennoch in aktueller Literatur verwendet, z. B. im Buch von Guthmann und Hahn. „Die Pilze Deutschlands“.

Alle Schleierlinge sind Mykorrhizapilze und fleischige Lamellenpilze mit ausgebuchteten Lamellen sowie rostbraunem Sporenpulver.

Rauköpfe (Leprocybe)

Rauköpfe sind grundsätzlich keine Speisepilze, überwiegend giftig oder verdächtig!

Sie haben einen nicht hygrophanen, filzigen bis schuppigen Hut. Das Fleisch ist etwas dickfleischiger als bei Hautköpfen. Häufig sind am Hut olivgrüne Farben oder orange-fuchsige, zinnober-schuppige und weitere zu finden.

Die Farbstoffe der Rauköpfe lösen sich nicht in Alkohol auf. Dazu wird der Pilz durchgeschnitten und mit Spiritus auf ein Papiertaschentuch gelegt. Rauköpfe verfärben das Tuch nicht.

Wichtige und bekannte Arten sind:

Violetter Schleierling (Cortinarius violaceaus)

Der Violette Schleierling gehört nun auch zu den Rauköpfen.

Spitzgebuckelter Raukopf (Cortinarius rubellus)

Der Spitzgebuckelte Raukopf (Cortinarius rubellus) ist einer der gefährlichsten Giftpilze Europas. Bereits der Verzehr geringster Mengen kann zu tödlichem Nierenversagen führen.

Der Pilz enthält das starke Nierengift Orellanin. Fatal ist, dass die ersten Symptome oft erst nach 3 bis 14 Tagen auftreten.

Der Spitzgebuckelte Raukopf wächst von Sommer bis Herbst in Nadelwäldern (vor allem bei Fichten) auf sauren, feuchten Böden, oft inmitten von Torfmoos oder Heidelbeersträuchern.

Sein Hut kann 3 bis 9 cm breit sein, ist fuchs- bis rostbraun, feinschuppiggrau und in der Mitte deutlich spitz gebuckelt. Seine Lamellen sind relativ dicht und stehen weit auseinander. Der Stiel ist schlank, rostbraun und oft mit gelblichen Velumzonen. Sein Geruch ist leicht rettigartig.

Unerfahrene Sammler verwechseln ihn aufgrund der bräunlich-orangenen Färbung fatalerweise manchmal mit dem essbaren Pfifferling oder dem Trompetenpfifferling. Pfifferlinge haben jedoch Leisten statt Lamellen und niemals einen spitzen Hutbuckel.

Zuletzt aktualisiert am 11.07.2026

Quelle: Rita Lüder, kreativpinsel.de

Orangefuchsiger Raukopf (Cortinarius orellanus)

Der Orangefuchsige Raukopf (Cortinarius orellanus) ist ein weiterer tödlich giftiger Lamellenpilz aus der Familie der Schleierlingsverwandten. Er gehört zu den gefährlichsten Giftpilzen Europas und ist bereits in geringen Mengen tödlich, da er das Organgift Orellanin enthält, welches die Nieren irreversibel zerstört.

Sein Hut ist 3–9 cm breit. Jung glockig-konvex, später flach gewölbt. Die Oberfläche ist trocken, fein filzig bis samtig-schuppig und durchgehend warm orange- bis fuchsig-braun gefärbt. Der Rand ist im Alter oft eingerissen. Die Lamellen sind breit, dicklich und stehen relativ weit auseinander. Sie sind am Stiel gerade angewachsen bis ausgebuchtet und färben sich durch das reife Sporenpulver rostbraun. Der Stiel ist bis zu 10 cm lang und etwa 1–2 cm dick. Er besitzt eine messing- bis goldgelbe Grundfarbe, ist längsfaserig und oft zur Basis hin leicht verjüngt oder zugespitzt. Er hat keinen festen Ring. Das Fleisch ist fest und gelblich bis hell orange-bräunlich. Er hat einen schwachen, rettichartigen Geruch und einen milden Geschmack – wegen der extremen Giftigkeit darf jedoch niemals eine Geschmacksprobe durchgeführt werden.

Der Pilz wächst von August bis Oktober. Er bevorzugt wärmebegünstigte Laubwälder, vor allem Eichen und Buchen und auf sauren oder sandigen Böden. Er ist insgesamt eher selten anzutreffen.

Zuletzt aktualisiert am 03.08.2026

Quelle: Rita Lüder, kreativpinsel.de

Weitere typische Arten sind:

Braunnetziger Raukopf (Cortinarius melanotus)

Gilbender Raukopf (Cortinarius rubicundulus)

Löwengelber Raukopf (Cortinarius limonis)

Hautköpfe (Dermocybe)

Auch Hautköpfe sind grundsätzlich keine Speisepilze, überwiegend giftig oder verdächtig!

Sie haben einen nicht hygrophanen, glatten und dünnfleischigen Hut. Die Lamellen sind lebhaft gefärbt, z. B. orange, rot, zimt, gelb, selten oliv.

Die Farbstoffe der Hautköpfe lösen sich in Alkohol auf. Dazu wird der Pilz durchgeschnitten und mit Spiritus auf ein Papiertaschentuch gelegt. Hautköpfe verfärben das Tuch.

Blutblättriger Hautkopf (Cortinarius semisanguineus)

Der Blutblättrige Hautkopf ist ein giftverdächtiger bis giftiger Lamellenpilz. Seinen Namen verdankt er dem starken Kontrast zwischen seiner unscheinbaren, bräunlichen Oberseite und den leuchtend blutroten Lamellen auf der Unterseite.

Sein Hut: ist 2–6 (selten bis 8) cm breit. Er ist anfangs kegelig-konvex, später flach gewölbt und oft mit einem stumpfen Buckel in der Mitte versehen. Die Oberfläche ist trocken, feinfaserig-seidig bis leicht feinschuppig und unauffällig gelbbraun, olivbraun oder zimtbraun gefärbt. Die Lamellen sind das namensgebende Hauptmerkmal. Jung erstrahlen sie in einem intensiven blut- bis zinnoberrot. Im Alter färben sie sich durch das reifende Sporenpulver zunehmend rost- bis braunrot. Sie stehen relativ gedrängt und sind am Stiel ausgebuchtet angewachsen. Der Stiel ist 3–10 cm lang und recht dünn (nur etwa 0,4–0,8 cm dick). Er hat eine quitten- bis messinggelbe Farbe, ist längsfaserig und an der Basis oft leicht rötlich überhaucht. Das Fleisch ist gelblich bis schmutzig-weißlich. Es verfärbt sich (wie bei allen Hautköpfen) mit Kalilauge (KOH) sofort schwarz. Der Geruch ist schwach rettichartig oder erinnert leicht an Jod.

Der Pilz fruktifiziert von Juli bis November. Er wächst fast ausschließlich in bodensauren Nadelwäldern (vor allem unter Fichten und Kiefern) und nistet sich dort gern in feuchten Moosschichten ein. Er ist in Mitteleuropa recht häufig zu finden.

Zum Verzehr ist er wie fast alle Schleierlingsverwandte nicht geeignet. Er ist aber ein beliebter Färbepilz.

 

Zuletzt aktualisiert am 05.08.2026

Quelle: Rita Lüder, kreativpinsel.de

Typische Arten sind:

Blut-Hautkopf (Cortinarius sanguineus)

Orangerandiger Hautkopf (Cortinarius malicorius)

Orangeblättriger Hautkopf (Cortinarius sommerfeltii)

Safranblättriger Hautkopf (Cortinarius croceus)

Schleimfüße (Myxacium)

Bei dieser Untergattung sind der Hut und der Stiel schleimig.

Typische Arten sind:

Langstieliger Schleimfuß (Cortinarius elatior)

Honigschleimfuß (Cortinarius stillatitius)

Heideschleimfuß (Cortinarius mucosos)

Blaublättriger Schleimfuß (Cortinarius delibutus)

Bitterster Schleimfuß (Cortinarius vibratilis)

Schleimköpfe und Klumpfüße (Phelegmacium)

Hut schleimig bis klebrig: Die Huthaut besitzt bei feuchtem Wetter eine deutlich schleimige, gallertartige oder klebrige Schicht. Bei Trockenheit glänzt sie oft lackiert.

Stiel trocken: Der Stiel weist im Gegensatz zur Untergattung der Schleimfüße (Myxacium) keine Schleimschicht auf. Er ist trocken, faserig oder seidig.

Stielbasis: Sehr viele Arten dieser Gruppe besitzen eine markante, oft scharf gerandete Knolle an der Stielbasis.

Wichtige und bekannte Arten sind:

Schleiereule (Cortinarius praestans)                                           

Die Schleiereule oder der Blaugestiefelte Schleimkopf (Cortinarius praestans) ist ein hervorragender, sehr stattlicher Speisepilz. Der Hut ist bei Feuchtigkeit schmierig-schleimig, während der kräftige Stiel trocken bleibt.

Der Name „Eulenauge“ oder „Schleiereule“ kommt daher, dass der junge Pilz wie das Auge einer Eule aus seiner dichten, schleierartigen Hülle blickt. Da er sehr selten ist, wurde er von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie zum Pilz des Jahres 2010 gekürt.

Der Pilz wächst von September bis Oktober als Mykorrhizapilz. Er bevorzugt kalkreiche, feuchte Böden in naturnahen Laubmischwäldern. Seine wichtigsten Symbiosepartner sind Rotbuchen und Eichen. Er wächst gerne in Gruppen oder Hexenringen.

Da die Schleiereule überregional sehr selten und im Rückgang begriffen ist, sollte sie trotz ihres exzellenten Speisewertes geschont und bei Einzelfunden im Wald stehen gelassen werden. Zudem neigt die Art dazu, Schwermetalle anzureichern.

Zuletzt aktualisiert am 01.08.2026

Quelle: Rita Lüder, kreativpinsel.de

Leuchtendgelber Klumpfuß (Cortinarius splendens)                                         

Der Leuchtendgelbe Klumpfuß wird auch Schöngelber Klumpfuß genannt und ist eine gefährlich giftige Pilzart. Er gehört zur Untergattung der Schleimköpfe/Klumpfüße (Phlegmacium) und wurde in älteren Büchern fälschlicherweise als Speisepilz aufgeführt. Heute weiß man, dass er schwere, potenziell tödliche Nierenvergiftungen auslösen kann.

Sein Hut ist 3–10 cm breit. Jung halbkugelig, später flach gewölbt. Bei Feuchtigkeit ist die Oberfläche stark schleimig und klebrig. Er hat eine intensiv schwefel- bis zitronengelbe Farbe, ist in der Mitte oft dunkler fuchsartig gefärbt und mit kleinen, anliegenden, rotbraunen Schüppchen besetzt. Die Lamellen sind jung leuchtend schwefel- bis kanariengelb. Sie stehen gedrängt und sind am Stiel ausgebuchtet angewachsen. Im Alter färben sie sich durch das reife Sporenpulver rostbraun. Der Stiel ist bis zu 8 cm lang und chromgelb. Das namensgebende Hauptmerkmal ist die deutlich gerandete, knollige Basis ("Klumpfuß"), die wie eine dicke Knolle am Stielende sitzt. Junge Pilze besitzen gelbe Schleierfäden (Cortina) zwischen Hutrand und Stiel. Das Fleisch ist durchgehend schwefel- oder zitronengelb (im Gegensatz zu essbaren Arten, die oft weißes Fleisch haben). Der Geruch ist unangenehm, erdig oder streng, der Geschmack mild – wegen der Giftigkeit darf jedoch keine Geschmacksprobe gemacht werden.

Der Pilz wächst von September bis November. Er kommt in zwei Varianten vor: Die Typusart wächst im wärmebegünstigten Laubwald (besonders unter Buchen) auf kalkhaltigen Böden. Die sehr ähnliche Variante var. meinhardii (Dottergelber Klumpfuß) wächst dagegen in Nadelwäldern bei Fichten und Tannen.

Zuletzt aktualisiert am 03.08.2026

Quelle: Rita Lüder, kreativpinsel.de

Weitere typische Arten sind:

Erdigriechender Schleimkopf (Cortinarius variicolor)

Blasser Schleimkopf (Cortinarius)

Semmelgelber Schleimkopf (Cortinarius varius)

Geschmückter Schleimkopf (Cortinarius saginus)

Wasserköpfe und Gürtelfüße (Telamonia)

Der Hut ist trocken, aber hygrophan.

Trockener Hut: Die Huthaut ist im Gegensatz zu den Schleimköpfen (Phlegmacium) oder Schleimfüßen (Myxacium) weder schleimig noch klebrig, höchstens bei Dauerregen etwas feucht anzufühlen.

Hygrophan: Das ist das absolute Schlüsselmerkmal dieser Gruppe. Der Hut verändert je nach Feuchtigkeitsgehalt drastisch seine Farbe. Im nassen Zustand ist er meist dunkelbraun, kastanienbraun oder düster violett, trocknet dann aber vom Scheitel her stark ockerfarben, sandgrau oder blassbeigefarben aus.

Bocksdickfuß (Cortinarius camphoratus)                          

Der Bocksdickfuß ist ein leicht giftiger Blätterpilz aus der Familie der Schleierlingsverwandten (Cortinariaceae), der vor allem durch seinen extrem unangenehmen Geruch nach Ziegenbock oder verfaulten Kartoffeln auffällt.

Der Pilz wächst von Juli bis November als Mykorrhizapilz überwiegend in Nadelwäldern auf moosigen, feuchten Böden, sehr häufig in der Nähe von Fichten. Aufgrund seiner Magen-Darm-Giftigkeit und des ungenießbaren Geschmacks ist der Bocksdickfuß kein Speisepilz.

Er kann leicht mit anderen violetten Pilzen verwechselt werden:

  • Lila Dickfuß (Cortinarius traganus): Ebenfalls giftig und stinkend, hat aber im Inneren ein intensiv safran- bis braungelbes Fleisch und niemals violette Lamellen.
  • Violetter Rötelritterling: Essbar, riecht angenehm parfümiert/fruchtig und hat keinen Schleier am Stiel.
  • Dunkelvioletter Schleierling: Essbar, durchgehend viel dunkler violett gefärbt und riecht angenehm nach Zedernholz.

Zuletzt aktualisiert am 01.08.2026

Weitere bekannte Arten sind:

Reifpilz, auch Zigeuner (Cortinarius caperatus)

Pelargonien Gürtelfuß (Cortinarius flexipes)

Seidenköpfe und Dickfüße (Sericeoybe)

Der Hut ist trocken und nicht hygrophan, aber dickfleischig sowie meist glimmerig erscheinend. Ansonsten passen die Arten in keine der anderen Untergattungen.

Typische Arten sind:

Lila-Dickfuß (Cortinarius traganus)